Cannabis Suchtberatung - Wenn der Joint zur Kette wird: Wie du erkennst, dass du von Marihuana abhängig wirst (und was du tun kannst )
- Ralf Benz
- 10. März
- 5 Min. Lesezeit

Die Welt des Cannabis ist vielfältig – von entspanntem Genuss über medizinische Anwendungen bis hin zu kreativen Höhenflügen. Doch wie bei allem im Leben gilt: Die Dosis macht das Gift. Während viele Menschen Marihuana gelegentlich oder kontrolliert konsumieren, kann sich bei manchen eine schleichende Abhängigkeit entwickeln.
Aber wie merkt man eigentlich, dass man von Cannabis abhängig wird? Ist es nicht harmloser als Alkohol? Und vor allem: Was kann man tun, wenn man merkt, dass die Pflanze einen fest im Griff hat?
Lass uns tief eintauchen – in die Anzeichen einer Cannabisabhängigkeit, die psychologischen Mechanismen dahinter und die besten Strategien, um wieder die Kontrolle zu gewinnen.
Ist Marihuana überhaupt süchtig machend?
Eins vorweg: Cannabis ist nicht so süchtig machend wie Nikotin oder harte Drogen. Es gibt keine körperlichen Entzugserscheinungen wie beim Alkohol- oder Heroinentzug, aber das heißt nicht, dass es keine Abhängigkeit geben kann.
Marihuana kann vor allem psychisch süchtig machen. Das bedeutet, dass der Konsum eine immer größere Rolle im Leben einnimmt, man ohne ihn nicht mehr „normal“ funktionieren kann und das Bedürfnis, zu konsumieren, übermächtig wird.
Die sogenannte „Cannabis Use Disorder“ (CUD) betrifft laut Studien etwa 9% aller Konsumenten – bei täglichem Konsum steigt das Risiko auf 25-50%. Und mit dem zunehmenden THC-Gehalt moderner Sorten steigt auch das Abhängigkeitspotenzial.
Die Warnsignale – Bin ich abhängig?
Viele denken: „Ich könnte jederzeit aufhören.“ Aber wenn du dich wirklich fragst, ob du süchtig bist, lohnt es sich, ehrlich zu sich selbst zu sein.
1. Du brauchst es, um „normal“ zu sein
Klingt es vertraut? Ohne Weed bist du gereizt, antriebslos oder sogar depressiv? Vielleicht merkst du, dass du ohne Joint nicht mehr schlafen kannst oder ohne ein paar Hits keine Freude empfindest.
2. Dein Konsum steigt kontinuierlich
Du hast mit gelegentlichen Joints angefangen – aber inzwischen sind es täglich mehrere? Das ist ein klassisches Anzeichen für eine sich entwickelnde Toleranz.
3. Du hast es oft im Kopf
Denkst du viel über Gras nach? Freust du dich schon morgens auf den Feierabend-Joint? Planst du dein Leben um deinen Konsum herum?
4. Du nimmst Risiken in Kauf
Rauchst du in Situationen, in denen du es besser lassen solltest? Vor der Arbeit? Vor dem Autofahren? Oder obwohl du weißt, dass es Probleme mit Partner, Familie oder Job gibt?
5. Du hast Entzugserscheinungen
Viele denken, Cannabis mache nicht abhängig, weil es keine heftigen Entzugserscheinungen gibt – aber das stimmt nicht ganz. Wenn du plötzlich aufhörst, können Symptome wie Schlafprobleme, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit oder sogar Schwitzen und Zittern auftreten.
6. Du hast weniger Motivation und vernachlässigst Dinge
Bist du weniger produktiv? Lässt du Sport, Hobbys oder Freundschaften schleifen? Vergisst du Termine oder lässt Dinge liegen?
7. Du hast mehrfach versucht, aufzuhören – und bist gescheitert
Wenn du es schon mehrmals ernsthaft versucht hast und immer wieder rückfällig wirst, ist das ein sicheres Zeichen für eine Abhängigkeit.
8. Du leugnest das Problem
Wenn du beim Lesen dieser Punkte innerlich gedacht hast „Nein, das trifft alles nicht auf mich zu, ich kann jederzeit aufhören!“, lohnt es sich, ganz ehrlich zu sich selbst zu sein.
Warum passiert das? – Die Psychologie der Marihuana-Abhängigkeit
Cannabis wirkt stark auf das Endocannabinoid-System im Gehirn. Dieses System ist für Glücksgefühle, Entspannung, Appetit und Motivation verantwortlich.
Wenn du oft THC konsumierst, gewöhnt sich dein Gehirn an den künstlichen Dopamin-Kick. Irgendwann wird es faul und produziert selbst weniger dieser Glücks-Botenstoffe. Die Folge: Ohne Gras fühlst du dich schlechter – und das treibt den erneuten Konsum an.
Wie komme ich da raus?
Die gute Nachricht: Cannabis-Abhängigkeit ist zwar real, aber im Vergleich zu Alkohol oder harten Drogen leichter zu überwinden. Hier sind die besten Tipps:
1. Mach den Test: Kannst du 30 Tage ohne?
Versuch einen „Trockenen Monat“. Wenn es dir sehr schwerfällt oder du es nicht schaffst, ist das ein klares Zeichen.
2. Finde deine Trigger
Wann konsumierst du am meisten? Wenn du gestresst bist? Wenn du gelangweilt bist? Wenn du mit bestimmten Leuten unterwegs bist?
3. Ersetze den Konsum durch etwas Neues
Dein Gehirn braucht Alternativen. Sport, Meditation, ein neues Hobby oder einfach bewusste Ablenkung können helfen.
4. Setz dir klare Regeln
Wenn du nicht ganz aufhören willst, versuche, deinen Konsum zu regulieren: z. B. nur am Wochenende oder nur bei besonderen Anlässen.
5. Hol dir Unterstützung
Red mit Freunden oder Familie darüber – oder such dir professionelle Hilfe. Es gibt auch Selbsthilfegruppen wie „Marijuana Anonymous“.
6. Mach dir bewusst: Der erste Entzug geht vorbei
Die ersten Tage nach dem Aufhören können unangenehm sein: schlechter Schlaf, Stimmungsschwankungen, Unruhe. Aber nach etwa 10 Tagen wird es besser!
7. Arbeite an deinen Gründen für den Konsum
Oft steckt hinter dem Kiffen eine tiefere Ursache: Stress, Depressionen, Langeweile. Wenn du das löst, wird es viel leichter, loszulassen.
8. Finde eine neue Identität
Wenn dein Freundeskreis oder dein Lifestyle stark ums Kiffen kreist, überleg dir: Wer bin ich ohne Cannabis? Wer will ich sein?
Was passiert, wenn du aufhörst?
Falls du überlegst, eine Pause zu machen oder ganz aufzuhören – das kannst du erwarten:
✅ Nach 1-3 Tagen: Die ersten Entzugssymptome (Schlafprobleme, Gereiztheit).✅ Nach einer Woche: Dein Kopf wird klarer, dein Appetit reguliert sich.✅ Nach zwei Wochen: Deine Motivation steigt, du fühlst dich stabiler.✅ Nach einem Monat: Deine natürlichen Glückshormone sind zurück, dein Energielevel steigt.✅ Nach drei Monaten: Dein Körper und Geist sind vollständig zurück im natürlichen Gleichgewicht.
Falls du den Verdacht hast, dass Gras dich mehr kontrolliert als umgekehrt, probiere einige der Tipps aus – und erinnere dich daran: Du brauchst kein Weed, um glücklich zu sein. Dein Gehirn hat das drauf – ganz ohne grünen Helfer.
Wenn du Unterstützung im Umgang mit deinem Cannabiskonsum suchst, stehen dir bundesweit verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung. Hier sind einige Anlaufstellen:
1. DigiSucht – Digitale Suchtberatung
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DigiSucht bietet eine kostenlose und anonyme Online-Beratung für Betroffene und Angehörige. Du kannst per Chat, E-Mail, Telefon oder Video mit geschulten Fachkräften in Kontakt treten. https://www.suchthotline.info/
2. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
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Die DHS stellt ein Suchthilfeverzeichnis bereit, in dem du Suchtberatungsstellen in deiner Nähe finden kannst. Diese Einrichtungen bieten Präventions-, Hilfe- und Behandlungsangebote zu Cannabis und anderen Substanzen. https://www.dhs.de/
3. Drugcom – Online-Beratung
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Drugcom bietet Online-Beratung speziell für Cannabiskonsumenten an. Mit dem Programm "Quit the Shit" kannst du professionelle Unterstützung erhalten, um deinen Konsum zu reflektieren und gegebenenfalls zu reduzieren. https://www.drugcom.de/
4. Caritas Suchtberatung
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Die Caritas bietet bundesweit Suchtberatungsstellen an, die bei Problemen mit Cannabiskonsum unterstützen. Die Beratung ist vertraulich und kostenlos. https://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/sucht/
5. Telefonische Beratung
Bundesweite Sucht- und Drogen-Hotline: 01806 - 31 30 31
Telefonseelsorge: 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222
Diese Hotlines sind rund um die Uhr erreichbar und bieten dir die Möglichkeit, anonym über deine Sorgen zu sprechen. citeturn0search2
6. Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Unterstützung zu finden. Informationen über lokale Gruppen erhältst du über Beratungsstellen oder spezialisierte Netzwerke wie die DHS.
Denke daran, dass es ein Zeichen von Stärke ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die genannten Angebote sind darauf ausgerichtet, dich auf deinem Weg zu unterstützen.
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